US-Soldaten trainieren auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in Bayern.
US-Soldaten trainieren auf dem Truppenübungsplatz Grafenwöhr in Bayern.
picture alliance / abaca | ABACA
  • Die US-Armee betreibt in Bayern einen Stützpunkt mit mehr als 16.000 Soldaten, die jederzeit einsatzbereit sind.
  • Der Standort geht auf die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg zurück und wurde später ein zentrales Ausbildungszentrum der Wehrmacht.
  • Heute trainieren US-Soldaten dort in Schützengräben bei allen Wetterbedingungen für mögliche Konflikte, unter anderem mit Russland.

Nur wenige Stunden nördlich von München betreibt die US-Armee ihren größten Trainingsstandort außerhalb der Vereinigten Staaten. Das weitläufige Gelände, das einst ein Artillerie-Ausbildungsplatz der Nationalsozialisten war, beherbergt mehr als 16.000 Soldaten, die jederzeit eingesetzt werden können.

Soldaten trainieren in Schützengräben und mit gepanzerten Stryker-Kampffahrzeugen, um ihre Einsatzbereitschaft aufrechtzuerhalten. „Damit sie sofort reagieren können, wenn Amerika sie ruft“, sagte Hermes Acevedo. Er war zum Zeitpunkt des Besuchs von BUSINESS INSIDER (BI) Reporter Graham Flanagan im vergangenen April Command Sergeant Major und ranghöchster Berater des Garnisonskommandeurs der US Army Garrison Bavaria.

Diese Einsatzbereitschaft dient der Abschreckung. Von Bayern aus können Truppen die Tschechische Republik in etwa einer Stunde erreichen und die ukrainische Hauptstadt Kyjiw in rund 18 Stunden auf dem Landweg. „Dass wir bereit sind, dass wir hier an diesem Standort sind, sendet gewissermaßen ein Signal“, sagte Acevedo.

Der Standort in Bayern zählt zu den wichtigsten Trainingszentren der US-Armee außerhalb der USA.
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Einen konkreten Gegner nannte er nicht, doch die Soldaten in den Schützengräben wissen, auf wen sie sich vorbereiten.

Während Russlands Krieg in der Ukraine andauert, ist die Präsenz der US-Armee in Deutschland von zentraler Bedeutung. Diese Soldaten könnten zu den ersten gehören, die in einen Kampf eingreifen und die Ostflanke der NATO verteidigen.

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Mehr als 16.000 US-Soldaten sind in der US Army Garrison Bavaria stationiert.
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Die Ursprünge des Standorts reichen bis vor den Ersten Weltkrieg zurück, als die Königlich Bayerische Armee dort ein Übungsgebiet für ihre Artillerie einrichtete.

Unter Adolf Hitler wurde das Gelände weiter ausgebaut und von der Wehrmacht als zentrales Ausbildungszentrum genutzt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahmen US-Streitkräfte die Kontrolle über das Gebiet. Heute ist es ein zentraler Bestandteil der US- und NATO-Operationen in Europa.

Auf dem Gelände wird unter anderem der Kampf in Schützengräben trainiert.
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Die Anlage umfasst vier Hauptbereiche, darunter Tower Barracks und Rose Barracks. Sie beherbergt das 7th Army Training Command, das Standards für die US Army Europe and Africa festlegt, sowie das 2nd Cavalry Regiment, eine vorwärts stationierte Bodentruppe. „Wir werden nicht erst für einen Vorfall nach Europa verlegt“, sagte Acevedo. „Wir sind bereits hier.“

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Der Truppenübungsplatz in Bayern dient der Vorbereitung von Einheiten auf mögliche Einsätze in Europa.
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Soldaten können ihre Unterkünfte verlassen und in weniger als zwei Minuten aktive Übungsplätze erreichen, sagte Acevedo. Dort trainieren sie unter allen Bedingungen, etwa bei Schnee, Regen, Hitze und Kälte, um das zu entwickeln, was er als instinktive Reaktionen beschreibt. „Es geht vor allem um Einsatzbereitschaft“, sagte Acevedo.

Der Standort betreibt zudem eine sogenannte Opposing Force (OPFOR), die gegnerische Taktiken nachahmt. „Wir sollen im Grunde wie Russen agieren“, sagte der Soldat Aaron Jude und erklärte, dass sie den Krieg in der Ukraine teilweise anhand öffentlich zugänglicher Quellen wie sozialen Medien analysieren.

Soldaten üben Gefechtsszenarien unter realistischen Bedingungen im Gelände.
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OPFOR-Einheiten verwenden AK-ähnliche Gewehre und trainieren in Schützengräben. „Das ist das Besondere an dieser Einheit“, sagte Staff Sergeant Daniel Johnson, ein OPFOR-Soldat. „Wir trainieren nicht nur nach unseren Standards, sondern auch nach russischen Standards. Für mich ist das ein sehr guter Weg, unsere Gegner zu verstehen.“

Sensoren im gesamten Trainingsgebiet erfassen Daten, sodass Kommandeure die Leistung analysieren und Strategien anpassen können. Dieser kontinuierliche Feedback-Zyklus ist zentral für die Rolle des Standorts, da er es ermöglicht, Ausrüstung und Entscheidungsprozesse unter Druck zu testen.

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Soldaten der US-Armee absolvieren Trainingsübungen auf dem Gelände der US Army Garrison Bavaria.
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Die Anlage ist darauf ausgelegt, sowohl Soldaten als auch ihre Familien zu unterstützen. Sie umfasst mehr als 3.400 Wohneinheiten, Schulen von der Grundschule bis zur Oberstufe, Kinderbetreuungseinrichtungen und Freizeitangebote.

Viele Familien leben sowohl auf dem Gelände als auch in den umliegenden Gemeinden und sind in diese integriert. Acevedo sagte, dass diese Unterstützungsstrukturen eine der größten Herausforderungen für Soldaten aus den USA abfedern: die Unsicherheit.

Dieses Umfeld trägt dazu bei, dass der Standort im großen Maßstab funktioniert. Soldaten können sich auf Training und Einsätze konzentrieren, während ihre Familien Zugang zu Dienstleistungen haben, die das Leben in den USA widerspiegeln.

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Das Ergebnis ist eine hochorganisierte militärische Struktur für schnelle Einsätze, die einen historisch geprägten Ort in einen modernen Militärstandort verwandelt.

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